{"id":131,"date":"2009-01-01T14:54:21","date_gmt":"2009-01-01T14:54:21","guid":{"rendered":"https:\/\/waldkindergartensite.wordpress.com\/fuchsbandwurm\/"},"modified":"2009-01-01T14:54:21","modified_gmt":"2009-01-01T14:54:21","slug":"fuchsbandwurm","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/waldkindergarten-berglen.de\/?page_id=131","title":{"rendered":"Fuchsbandwurm"},"content":{"rendered":"<p><em>Bereits seit dem vorigen Jahrhundert ist S\u00fcddeutschland, vor allem die Schw\u00e4bische Alb als Verbreitungsgebiet der alveol\u00e4ren Echinokokkenkrankheit des Menschen bekannt:<\/em><\/p>\n<p>Erst seit den f\u00fcnfziger Jahren dieses Jahrhunderts ist der Lebenszyklus des kleinen Fuchsbandwurmes bekannt. Er schlie\u00dft den Fuchs, aber auch Hunde und Katzen als Endwirte und kleine Nagetiere als Zwischenwirte ein. Der Mensch ist in diesem Kreislauf ein Fehl-Zwischenwirt. Der Fuchsbandwurm, im ausgewachsenen Zustand nur 3-5 mm klein, kommt vorwiegend im Darm von Fuchs, seltener auch in Hund und Katze vor. Der Bandwurm selbst ist f\u00fcr den Fuchs relativ harmlos.<\/p>\n<p>Feldm\u00e4use stellen bei uns den wichtigsten Zwischenwirt dar, weil sie auf der Erdoberfl\u00e4che Fra\u00dfg\u00e4nge im Gras anlegen und dabei abgesetzte Fuchsbandwurmeier aufnehmen. Der Fuchs wiederum lebt zu einem hohen Prozentsatz von M\u00e4usen. Vom Bandwurm befallene M\u00e4use sind nicht mehr so beweglich wie gesunde und fallen dem Fuchs somit leichter zur Beute. Daraus ergibt sich ein Kreislauf der st\u00e4ndigen Neuinfektion.<\/p>\n<p>Genauso wie der nat\u00fcrliche Zwischenwirt muss auch der Mensch die Eier des Fuchsbandwurmes \u00fcber den Mund aufnehmen. Wie des geschieht, dar\u00fcber k\u00f6nnen bisher nur Vermutungen angestellt werden.<\/p>\n<p>Der Fuchs h\u00e4lt sich zur Nahrungssuche vorwiegend au\u00dferhalb des Waldes auf den \u00abFuchswiesen\u00bb auf, und setzt seinen Kot in einem relativ gro\u00dfen Aktionsradius ab. Mit dem Kot werden reife Eier oder ganze W\u00fcrmchen abgesetzt. Daher k\u00f6nnen diese Wiesen als Hauptinfekionsort angesehen werden. Weil direkter Kontakt mit dem frischen, streng riechenden Fuchskot wohl meistens vermieden wird, muss der Kot zun\u00e4chst durch Vertrocknung, Aufl\u00f6sung durch Regen oder sonstige mechanische Einwirkungen fein verteilt werden. Prinzipiell sind folgende Infektionsm\u00f6glichkeiten denkbar:<\/p>\n<ul>\n<li>Verzehr von niedrig wachsenden Beeren sowie Fallobst. Diese k\u00f6nnten direkt vom Fuchs oder indirekt durch Insekten oder Schnecken verunreinigt sein. Bisher konnten noch keine Fuchsbandwurm-Eier auf Beeren oder Fallobst nachgewiesen werden.<\/li>\n<li>Einatmen und Verschlucken aufgewirbelter Bandw\u00fcrmer, z.B. beim Pfl\u00fcgen und M\u00e4hen und bei F\u00e4llarbeiten. Es wird bezweifelt, dass die gegen\u00fcber W\u00e4rme und Trockenheit empfindlichen Fuchsbandwurm-Eier starke Sonneneinstrahlung und somit Vertrocknung einen l\u00e4ngeren Zeitraum \u00fcberleben.<\/li>\n<li>Kontakt mit infizierten Endwirten, in deren Fell die Eier haften. Hiervon sind J\u00e4ger und F\u00f6rster beim Abh\u00e4uten von F\u00fcchsen gef\u00e4hrdet. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen auch Besitzer von Hunden und Katzen, die in Buchsbandwurmgebieten regelm\u00e4\u00dfig M\u00e4use fangen (und fressen) damit rechnen, dass ihre Tiere Bandwurmtr\u00e4ger und Ausscheider der infekti\u00f6sen Eier sind.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Befallsrate der infizierten F\u00fcchse ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Einer der Hauptgr\u00fcnde ist die erfolgreiche Bek\u00e4mpfung der Tollwut und die daraus resultierende Zunahme des Fuchsbestandes.<\/p>\n<p>Ein weiterer Risikofaktor liegt in der Resistenz der Fuchsbandwurmeier gegen\u00fcber k\u00fchlen Temperaturen zwischen +10\u00b0C und -20\u00b0C. Im Winter abgesetzter, infizierter Fuchskot erf\u00e4hrt somit auch durch Frost keine Abt\u00f6tung der Eier.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Rems-Murr-Kreis wird derzeit eine Befallsrate von 30-40% vermutet.<\/p>\n<p>In Baden-W\u00fcrttemberg wurden zwischen 1985 und 1995 330 F\u00e4lle einer Fuchsbandwurm-Infektion beim Menschen diagnostiziert. Experten sprechen von ca. 50 Neuinfektionen pro Jahr im L\u00e4ndle (Zahl der Verkehrstoten in Baden-W\u00fcrttemberg pro Jahr: \u00fcber 1200!).<\/p>\n<p>Angst und Panikmache sind also fehl am Platz.<\/p>\n<p>Da es in Deutschland noch keine gesetzliche Meldepflicht f\u00fcr Fuchsbandwurminfektionen gibt und die Inkubationszeit auf 5-10 Jahre gesch\u00e4tzt wird, handelt es sich bei diesen Zahlen um Sch\u00e4tzungen. Erwiesen ist jedoch, dass es sich bei einem Gro\u00dfteil der Infizierten um Landwirte handelt.<\/p>\n<h2>Infektionsverlauf beim Menschen<\/h2>\n<p>Nachdem die Larven des Fuchsbandwurmes \u00fcber den Mund aufgenommen wurden, gelangen sie durch die Darmwand in die Leber. Dort entstehen durch krebsartiges Wachstum schwammartige Gebilde, welche im Laufe von 5-10 Jahren die ganze Leber durchsetzen. Infizierte Menschen entwickeln erst Jahre nach der Eiaufnahme Krankheitssymptome wie bei anderen Lebererkrankungen; es sind dies unter anderem Fettunvertr\u00e4glichkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen und Gelbsucht.<\/p>\n<p>Eine vollst\u00e4ndige Heilung kann nur bei fr\u00fchzeitiger Erkennung durch Entfernen des Larvengewebes erreicht werden. Bei fortgeschrittenem Befall wird versucht, das Wachstum mit Chemotherapie zu stoppen. Die verbesserte Diagnostik und Chemotherapie, sowie Fortschritte in der chirurgischen Technik haben die \u00dcberlebensrate nach 10 Jahren auf ca. 90% erh\u00f6ht.<\/p>\n<h2>Vorbeugung<\/h2>\n<p>Viel im Freien arbeitende und besonders mit Erdboden oder bodennaher Vegetation hantierende Menschen sollten vermeiden, w\u00e4hrend der Arbeit etwas zu essen oder m\u00fcssen wenigstens ihre H\u00e4nde zuvor gr\u00fcndlich reinigen. Sorgf\u00e4ltiges B\u00fcrsten der H\u00e4nde und Fingern\u00e4gel kann anhaftende Eier entfernen.<\/p>\n<p><strong>Deshalb ist gr\u00fcndliches H\u00e4ndewaschen mit biologisch abbaubarer Seife vor dem Essen bei uns im Waldkindergarten oberste Pflicht!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits seit dem vorigen Jahrhundert ist S\u00fcddeutschland, vor allem die Schw\u00e4bische Alb als Verbreitungsgebiet der alveol\u00e4ren Echinokokkenkrankheit des Menschen bekannt: Erst seit den f\u00fcnfziger Jahren dieses Jahrhunderts ist der Lebenszyklus des kleinen Fuchsbandwurmes bekannt. Er schlie\u00dft den Fuchs, aber auch Hunde und Katzen als Endwirte und kleine Nagetiere als Zwischenwirte ein. 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