{"id":25,"date":"2016-03-05T16:41:04","date_gmt":"2016-03-05T14:41:04","guid":{"rendered":"https:\/\/waldkindergartensite.wordpress.com\/?page_id=25"},"modified":"2016-03-05T16:41:04","modified_gmt":"2016-03-05T14:41:04","slug":"bewegung-fundament-einer-ganzheitlichen-entwicklung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/waldkindergarten-berglen.de\/?page_id=25","title":{"rendered":"Bewegung &#8211; Fundament einer ganzheitlichen Entwicklung"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt kein Wesen auf der Welt, das wie der Mensch so begierig darauf ist, mit der Welt umzugehen, auf sie einzuwirken, sie wahrzunehmen, sie zu f\u00fchlen, sie sch\u00f6pferisch umzugestalten und zu begreifen. Von der Geburt bis zur reifen Pers\u00f6nlichkeit ist es ein langer Weg, der durch die Art der Erlebnisse entscheidend gepr\u00e4gt wird.<\/p>\n<p>Bis zur Geburt ist der gr\u00f6\u00dfte Teil des menschlichen Gehirns ausgebildet. Damit das Gehirn aber \u00e4u\u00dfere Eindr\u00fccke speichern und einordnen kann, muss zun\u00e4chst ein Netz aus fest verbundenen Fasern gebildet werden, in dem sich die sp\u00e4teren Informationen befestigen. Ein Teil dieser Nervenverkn\u00fcpfungen ist durch Gene, durch die Erbmasse schon vor der Geburt festgelegt. Der restliche Teil jedoch wird bis ins Kindergartenalter vollendet.<\/p>\n<p>Hier passiert etwas einzigartiges, was wir vom \u00fcbrigen K\u00f6rper des Menschen nicht kennen: die Zellen wachsen je nach der vorhandenen Umwelt anders! Es ist dies die einzige Zeit, in der sich \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse wie die Wahrnehmung durch das Auge, die Nase, den Geschmack, H\u00f6ren und F\u00fchlen in der Ausbildung des Gehirns direkt niederschlagen k\u00f6nnen. Die Hirnrinde wird dadurch so verdrahtet, dass sie m\u00f6glichst gut mit derjenigen Umwelt zurechtkommt, die in den ersten Lebenswochen wahrgenommen wird.<\/p>\n<h4>Bewegung &#8211; Fundament einer ganzheitlichen Entwicklung<\/h4>\n<p>In der weiteren Entwicklung braucht das Gehirn nicht blo\u00df \u00abStimulation\u00bb, sondern gegenst\u00e4ndliches Material, mit dem der Heranwachsende aktiv umgehen kann, eine Umgebung, die man entdecken, gestalten, ver\u00e4ndern kann.Lautlosigkeit ist f\u00fcr Kinder eine Bestrafung, lange Zeit auf derselben Stelle sitzen zu m\u00fcssen eine Zwangsjacke.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3202\" aria-describedby=\"caption-attachment-3202\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3202\" src=\"http:\/\/waldkindergarten-berglen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Moeglichkeiten-1-225x300.jpg\" alt=\"M\u00f6glichkeiten!\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/waldkindergarten-berglen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Moeglichkeiten-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/waldkindergarten-berglen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Moeglichkeiten-1.jpg 576w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3202\" class=\"wp-caption-text\">M\u00f6glichkeiten!<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_3203\" aria-describedby=\"caption-attachment-3203\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3203\" src=\"http:\/\/waldkindergarten-berglen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Tausend...-1-300x225.jpg\" alt=\"Tausend...\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/waldkindergarten-berglen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Tausend...-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/waldkindergarten-berglen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Tausend...-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/waldkindergarten-berglen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Tausend...-1.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3203\" class=\"wp-caption-text\">Tausend&#8230;<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der aktive Umgang mit der Welt begr\u00fcndet das Lebensgef\u00fchl des Kindes, entfaltet seine F\u00e4higkeiten, sein Denken, seine Sprache, seine Zielorientierungen, bringt die unterschiedlichsten Empfindungen und inneren Erregungen hervor. Je anregender die Umwelt, desto besser die Entwicklungschancen des Kindes.<\/p>\n<h4>Bewegung &#8211; eine Lebensform des Kindes<\/h4>\n<p>Noch weit in die Grundschulzeit hinein l\u00e4sst sich ein hohes Ma\u00df an Bewegungsaktivit\u00e4ten beobachten. Ob in der Wohnung, auf dem Spielplatz oder einer geeigneten Spielfl\u00e4che in der N\u00e4he der Wohnung, wo immer man das Kind beobachten kann, es ist stets unterwegs, m\u00f6chte alles, was es wahrnehmen kann, erreichen, erkunden und benutzen.<br \/>\nJeder H\u00fcgel fordert zum Ersteigen und Runterrennen auf, jeder Baum zum Klettern. Jede Mauer reizt zum Darr\u00fcberspringen usw., Trotz zunehmenden Alters und dem Erreichen einer gr\u00f6\u00dferen Sicherheit steigt das Bed\u00fcrfnis nach Bewegung.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3209\" aria-describedby=\"caption-attachment-3209\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3209 size-medium\" src=\"http:\/\/waldkindergarten-berglen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Mittendurch-1-225x300.jpg\" alt=\"Mittendurch!\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/waldkindergarten-berglen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Mittendurch-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/waldkindergarten-berglen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Mittendurch-1.jpg 576w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3209\" class=\"wp-caption-text\">Mittendurch!<\/figcaption><\/figure>\n<p>Selbst ruhige T\u00e4tigkeiten wie Zuh\u00f6ren beim Vorlesen oder Malen sind noch lange von K\u00f6rperbewegungen begleitet. Beim Malen z.B. ver\u00e4ndert das Kind oft seine Sitzhaltung, es malt im Stehen, kniet sich auf den Stuhl, rutscht dabei hin und her, unterbricht, indem es schnell etwas anderes tut, kommt zur\u00fcck und malt weiter.<\/p>\n<p>Mancher Erwachsener w\u00e4re sicher \u00fcberrascht von dem hohen Ausma\u00df k\u00f6rperlicher Anstrengung, dem Kinder beim Spielen, Tollen und Toben ausgesetzt sind. W\u00fcrde er mitmachen wollen, er m\u00fcsste nach kurzer Zeit ersch\u00f6pft aufgeben.<br \/>\nMan geht davon aus, dass allen gesunden, normal entwickelten Kindern dieser Bewegungsdrang genetisch mitgegeben ist. Diese genetisch bedingte Energie reagiert nun &#8211; diese Feststellung ist besonders wichtig &#8211; au\u00dferordentlich umweltabh\u00e4ngig.<\/p>\n<h4>Bewegung und Intelligenz<\/h4>\n<p>\u00abDa Erziehung von Kleinkindern im wesentlichen eine Angelegenheit der Eltern ist, wirkt sich die individuelle Einsch\u00e4tzung bzw. Wertsch\u00e4tzung k\u00f6rperlicher F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten auch nur im famili\u00e4ren Bereich aus. Ein gro\u00dfer Teil schenkt der intellektuellen Entwicklung ihrer Kinder mehr Aufmerksamkeit als der F\u00f6rderung der Motorik. Der Zusammenhang von Kognition und Motorik konnte auch durch wissenschaftliche Untersuchungen abgesichert werden: Kinder, die an reinen Bewegungsf\u00f6rderungsprogrammen teilnahmen erzielten auch in Intelligenztests bessere Ergebnisse.\u00bb (T.Kunz).<\/p>\n<p>Die Fernsinne Sehen und H\u00f6ren werden \u00fcberfordert und somit geschw\u00e4cht. Die Nahsinne Haut und Muskulatur werden oft unzureichend gef\u00f6rdert und sind dadurch schwach ausgebildet. Die Koordination beider Sinnesfelder ist gest\u00f6rt.<\/p>\n<p>Im Sich-Bewegen sehen Anthropologen und Entwicklungstheoretiker eine bedeutende \u00abSprachwurzel\u00bb und die Basis f\u00fcr das \u00abformale Denken\u00bb. (Piaget 1969). Dadurch, dass das Kind sich bewegt, erwirbt es die F\u00e4higkeiten des aufrechten Gehens, des Laufens, Springens, Schreibens, Malens, Handwerkens, Musizierens. Nichts reift oder entwickelt sich von allein, denn im Unterschied zum Tier sind Menschenkinder nicht von einer \u00abErbmotorik\u00bb geleitet, sondern von einer \u00abErwerbsmotorik\u00bb. (Storch 1947).<\/p>\n<p>Das Kennenlernen der Welt geschieht nicht \u00fcber Denkakte, sondern \u00fcber Tasten, F\u00fchlen, Anfassen, Sehen, Riechen, In-den-Mund-nehmen; und um diese Dinge tun zu k\u00f6nnen, muss sich das Kind bewegen! Die Oberfl\u00e4che des Organismus ist \u00fcbers\u00e4t von Sinnesorganen, die die Empfindungen von K\u00e4lte, W\u00e4rme, Schmerz und Ber\u00fchrung schlechthin wahrnehmen.<\/p>\n<p>Der Hautkontakt bildet einen wichtigen Bestandteil der Begegnung mit der Welt, ist ein St\u00fcck seelischer Nahrung. Positive Empfindungen, die das Kind an der Hautoberfl\u00e4che erlebt, wirken g\u00fcnstig auf die Entwicklung der Gehirnzellen und der Nervenbahnen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3211\" aria-describedby=\"caption-attachment-3211\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3211\" src=\"http:\/\/waldkindergarten-berglen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Herrlich-1-300x225.jpg\" alt=\"Herrlich!\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/waldkindergarten-berglen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Herrlich-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/waldkindergarten-berglen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Herrlich-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/waldkindergarten-berglen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Herrlich-1.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3211\" class=\"wp-caption-text\">Herrlich!<\/figcaption><\/figure>\n<h2>Bewegung und k\u00f6rperliche Entwicklung<\/h2>\n<p>In der k\u00f6rperlichen Auseinandersetzung mit der Umwelt werden die Organe beansprucht. Sie erhalten damit die Reize, die f\u00fcr ihre Ausbildung, ihre Leistungsf\u00e4higkeit und somit f\u00fcr ihre Gesundheit notwendig sind. Dies gilt vor allem f\u00fcr Herz &#8211; Kreislauf und Atmung. Ein \u00abbewegtes Herz\u00bb nimmt an Muskelmasse zu, kann somit eine gr\u00f6\u00dfere Blutmenge aufnehmen und w\u00e4hrend eines Herzschlages aussto\u00dfen.<\/p>\n<p>Eine gesunde k\u00f6rperliche Entwicklung kann sich erst dann einstellen, wenn Kinder von sich aus mit Lust und Freude an den Bewegungsspielen teilnehmen. Es gilt jedoch ebenso, \u00dcberforderung zu vermeiden.<\/p>\n<h4>Die Kindheit wurde nach drinnen verlegt!<\/h4>\n<p>Der Bewegungsmangel von Kleinkindern beginnt aber heute bereits in falsch konzipierten Wohnungen mit schlechter Schallisolierung und findet seine Fortsetzung auf schlecht ausgestatteten und nicht beaufsichtigten Spielpl\u00e4tzen, ja selbst in Kinderg\u00e4rten und Vorschulerziehung. Kinder spielten fr\u00fcher vor allem auf der Stra\u00dfe. Hier fanden sich immer andere Kinder, die mitspielten. Sie organisierten mit wenigen Mitteln vielf\u00e4ltige Spiele, bei denen auch J\u00fcngere einfach mitmachen konnten (Fangen, Verstecken, Ballspiele, Steinwurfspiele etc.)<br \/>\nIm zwanglosen Geben und Nehmen lernten die Kinder abzuwarten, bis sie an der Reihe waren, und die Initiative zu ergreifen, wenn sich Gelegenheit dazu bot. Vor allem konnten sie lernen fair zu sein, R\u00fccksicht zu nehmen und, was viele Kinder kaum noch k\u00f6nnen, ein guter Verlierer zu sein.<\/p>\n<p>Mancher Erwachsene erinnert sich an Spiele aus der Kindheit, die mit Hingabe der ganzen Pers\u00f6nlichkeit, mit Leib und Seele erlebt wurden. Es waren oft erfundene Spiele, die einem allein oder mit Spielgef\u00e4hrten in den Sinn kamen. Sie zogen sich h\u00e4ufig \u00fcber Tage oder Wochen hin, wurden weiter ausgesponnen, nahmen allm\u00e4hlich phantastische Ausma\u00dfe an. Sie gediehen in versteckten Winkeln, hinter B\u00fcschen oder auf verwilderten Grundst\u00fccken.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3213\" aria-describedby=\"caption-attachment-3213\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3213\" src=\"http:\/\/waldkindergarten-berglen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/UndJetztMitSchwung-1-300x225.jpg\" alt=\"Und jetzt mit Schwung!\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/waldkindergarten-berglen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/UndJetztMitSchwung-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/waldkindergarten-berglen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/UndJetztMitSchwung-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/waldkindergarten-berglen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/UndJetztMitSchwung-1.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3213\" class=\"wp-caption-text\">Und jetzt mit Schwung!<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u00abLebendige Phantasie unserer Kinder ist f\u00fcr eine \u00abImmunisierung\u00bb gegen sp\u00e4tere Suchterkrankungen wesentlich. Eine kraftvolle Phantasie erfordert die Erfahrung aller Sinne, einschlie\u00dflich der Bewegungssinne, f\u00f6rdert gleichzeitig die Entfaltung der Sinnest\u00e4tigkeit f\u00fcr eine spannende, lustvolle Welterfahrung.\u00bb (E.Sch\u00e4fer: \u00abWarum Huckleberry Finn nicht s\u00fcchtig wurde\u00bb)<\/p>\n<p>Die Stra\u00dfe hat heute ihre Bedeutung als Lebensraum verloren. Vorpl\u00e4tze und H\u00f6fe eignen sich h\u00e4ufig nicht zum Spielen. Fernsehen und Computerspiele tun ihr \u00fcbriges. Hauptaufenthaltsort f\u00fcr Kinder wurde das Kinderzimmer, in der Regel der kleinste Raum in der Wohnung.<\/p>\n<h4>Soziologen und P\u00e4dagogen sprechen von der \u00abverh\u00e4uslichten\u00bb Kindheit<\/h4>\n<p>Mit der Verlagerung des Spielens nach drinnen nahm die Anzahl der Spielpartner ab. Kinder verabreden sich heute vorwiegend mit nur einem anderen Kind. Schon, wenn drei oder mehr Kinder zusammenspielen wollen, gibt es Streit und Tr\u00e4nen. Das Abstimmen verschiedener W\u00fcnsche und das Einnehmen unterschiedlicher Spielrollen wird zum Problem, wenn Kinder nicht mehr lernen, sich im Spiel mit mehreren auseinanderzusetzen. Oft vermeiden Erwachsene lautstarke oder handgreifliche Konflikte der Kinder, indem sie ins Geschehen eingreifen. Der dadurch gewonnene Frieden ist meist von kurzer Dauer.<\/p>\n<p>Beim Aufenthalt in der Wohnung sind Kinder leichter unter Kontrolle zu halten, von Risiken fernzuhalten, vor Gefahren zu sch\u00fctzen, und au\u00dferdem ist es warm!<\/p>\n<p>\u00abEine \u00e4ngstliche Erziehung &#8211; die Vermeidung kleiner Risiken &#8211; erh\u00f6ht die Unfallh\u00e4ufigkeit. Fallen lernt man durch Fallen!\u00bb (T. Kunz).<\/p>\n<p>Kinder haben kaum noch Zeit, mit ihrem K\u00f6rper zu experimentieren, Bewegungen zu wiederholen, um Selbstsicherheit zu gewinnen. Das f\u00fcr eine gesunde k\u00f6rperlich-seelische Entwicklung notwendige Ma\u00df an Freiw\u00fcchsigkeit wird zunehmend eingeengt.<\/p>\n<p>Der Erwachsene sollte dem Kind das Gef\u00fchl geben, dass es seine eigene Welt kontrollieren kann, dass es in der Lage ist, sich ihm stellende Probleme aus eigener Kraft zu bew\u00e4ltigen. Voraussetzung hierzu ist, das Kind zu beobachten, seine Interessen und F\u00e4higkeiten zu erkennen. Er sollte warten k\u00f6nnen, anstatt Erwartungen an das Kind zu stellen. Das hei\u00dft konkret f\u00fcr Spiel- und Bewegungssituationen:<\/p>\n<ul>\n<li>Das Kind nicht st\u00f6ren bei einer T\u00e4tigkeit, die es sich selber ausgew\u00e4hlt hat.<\/li>\n<li>Die intensive Besch\u00e4ftigung des Kindes auch dann nicht unterbrechen, wenn man<br \/>\nselbst eine noch viel bessere Idee hat, oder um zu zeigen, wie man es richtig macht.<\/li>\n<li>Hilfe nur dann geben, wenn das Kind danach verlangt, oder auf un\u00fcberwindliche Schwierigkeiten gesto\u00dfen ist; dabei die begonnene Handlung des Kindes nicht einfach zu Ende f\u00fchren, sondern unterst\u00fctzen, dass es das Problem selbst\u00e4ndig l\u00f6sen kann.<\/li>\n<li>Sich von dem leiten lassen, was das Kind zeigt und nicht umgekehrt dem Kind zeigen, was es alles beherrschen und k\u00f6nnen k\u00f6nnte.\u00a0(R. Zimmer, &#8222;Schafft die St\u00fchle ab&#8220;)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zeit f\u00fcr Experimente ist auch beim Kinderturnen oft nicht gegeben, da sich hinter dem Turnenden meist schnell eine ungeduldige Warteschlange gebildet hat.<\/p>\n<p>Gelegentliche Spielplatzbesuche helfen dem Kind kaum zu notwendigen Erfahrungsm\u00f6glichkeiten, dort sind Funktionsabl\u00e4ufe gr\u00f6\u00dftenteils festgelegt. Au\u00dfer im Sandkasten kann nichts ver\u00e4ndert, gestaltet oder hergestellt werden. Dass sich Kinder in dieser Umgebung nicht sonderlich wohl f\u00fchlen, zeigen die Vergleiche von Besucherzahlen zwischen Ger\u00e4tespielpl\u00e4tzen und sogenannten Abenteuer- oder Bauspielpl\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Nach dem Erwerb des aufrechten, selbst\u00e4ndigen Gehens gibt es \u00fcber die weitere Bewegungsentwicklung nur sehr vage Vorstellungen. Die Kriterien &#8211; Stehversuche, Kriechen und Krabbeln und schlie\u00dflich die ersten selbst\u00e4ndigen Schritte &#8211; die im bestimmten Lebensalter durchlaufen werden m\u00fcssen, sind den Eltern gel\u00e4ufig.<\/p>\n<p>In der Genauigkeit der Bewegung, dem richtigen Kraftimpuls und in der Steuerung der Bewegungsgeschwindigkeit werden Abweichungen von den Eltern aber kaum registriert, denn es fehlen ihnen Vergleichsm\u00f6glichkeiten zu anderen Kindern, und es existiert gar keine Vorstellung \u00fcber die Notwendigkeit der kindlichen Bewegungsentwicklung.<\/p>\n<h4>Psychomotorische F\u00f6rderung<\/h4>\n<p>Einer Untersuchung von T.Kunz zufolge \u00fcbersch\u00e4tzen auch ErzieherInnen oftmals die motorischen F\u00e4higkeiten der Kinder in ihren Gruppen. In der &#8222;Spielekartei zur Sicherheitserziehung&#8220; (Kunz, Frick. et.a., 1988) wurden neue und attraktive Spielvorschl\u00e4ge zur F\u00f6rderung der kindlichen Motorik entwickelt, welche sich in die normalen Kindergartenabl\u00e4ufe integrieren lassen.<br \/>\nDiese Kartei besteht aus ca. 140 Bewegungs-, Konzentrations-, Geschicklichkeits- und Rollenspielen und unterscheidet sich von herk\u00f6mmlichen Spielesammlungen auf zwei Arten:<\/p>\n<p>Zum einen ist auf jeder Spielkarte angegeben, welche motorischen F\u00e4higkeiten gef\u00f6rdert werden, zum anderen wird auf Ausscheidungsspiele v\u00f6llig verzichtet, da diese den angestrebten Zielen zuwiderlaufen. Das Verlieren\/Ausscheiden wurde durch motorische Zusatzaufgaben ersetzt, so dass sich die schw\u00e4cheren Kinder im Spiel mehr bewegen als die st\u00e4rkeren.<\/p>\n<p>Eine Behinderung im Ausleben des Bewegungsdranges infolge von Verboten, \u00c4ngsten der Eltern und r\u00e4umlicher Unzul\u00e4nglichkeiten f\u00fchrt zwangsl\u00e4ufig zu Aggressionen, welche die kindliche Entwicklung st\u00f6ren. Bei anhaltender Unterdr\u00fcckung dieses Bewegungsbed\u00fcrfnisses erlischt schlie\u00dflich die Energie und das Kind erscheint in seiner Umwelt als ungeschickt, tr\u00e4ge, unbeweglich und bewegungsvermeidend.<\/p>\n<h4>Bewegung und Kommunikation<\/h4>\n<p>Kinder, die in der Beherrschung der K\u00f6rperkontrolle unterhalb der Norm Gleichaltriger liegen, werden Auseinandersetzungen im Spiel eher aus dem Wege gehen oder von der Gruppe selbst an einer Spielbeteiligung gehindert. Sie erleben sich als schw\u00e4cher, minderwertiger, untergeordneter, langsamer, steifer, plumper und entwickeln Minderwertigkeitsgef\u00fchle.<\/p>\n<p>Ihre Bewegungen erscheinen oft unkontrolliert, hastig oder verlangsamt, schwerf\u00e4llig, torkelig, kraftlos oder \u00fcberm\u00e4\u00dfig kraftvoll. Die m\u00f6gliche Bewegungsunlust eines Kindes wird vielleicht gar nicht als Auff\u00e4lligkeit erkannt, vor allem dann, wenn das Kind in feinmotorischen, intellektuell orientierten Handlungen gl\u00e4nzt.<\/p>\n<p>Im Vorschulalter vollzieht sich die Kommunikation zwischen Kindern im wesentlichen \u00fcber Bewegungshandlungen. Kindern mit schlecht entwickelter K\u00f6rperkontrolle wird somit eine wichtige M\u00f6glichkeit der Herstellung von Sozialkontakten genommen. Sind sie erst einmal in die Isolation geraten, suchen viele Kinder einen Ausgleich daf\u00fcr vor dem Fernseher. Nebenher wird genascht. \u00dcbergewichtige Kinder, die dieses Verhalten zeigen, befinden sich in einem Teufelskreis und werden zu Au\u00dfenseitern.<\/p>\n<p>K\u00f6rperbewusstsein ist eine Voraussetzung f\u00fcr Gruppenzugeh\u00f6rigkeit. Die H\u00f6he des hier erreichten Entwicklungsstandes definiert in dem Alter vorrangig den Status eines Kindes in der Gruppe. Das Kind muss sich mit seinen Spielgef\u00e4hrten st\u00e4ndig auseinandersetzen, um seine Stellung in der Partnerschaft oder der Gruppe zu sichern. Geschieht dies ohne anhaltende Konflikte und bleibt die Bereitschaft erhalten, an Bewegungshandlungen Gleichaltriger teilzunehmen, so wirken sich Partnerschaft und Gruppenzugeh\u00f6rigkeit positiv auf die psychische Entwicklung aus.<\/p>\n<h4>Bewegung als Ausdruck von Empfindungen<\/h4>\n<p>Alles, was ein Kind f\u00fchlt, was es erfreut, was es belastet, nicht begreifen oder einordnen kann, findet im Spiel seinen Ausdruck und wird somit verarbeitet. Dies kann beim Puppenspielen, Bauen, Zeichnen, Malen, Bewegen, Tanzen, Darstellen, Verwandeln, Theaterspielen, Singen, Musizieren oder einfach in Selbstgespr\u00e4chen mit imagin\u00e4ren Personen geschehen.<\/p>\n<p>Es ist nicht wichtig, was das Kind in seinen verschiedenen Entwicklungsphasen zu seinen jeweiligen Spielthemen w\u00e4hlt, sondern wie es diese im Spiel auswertet, wie es sich mit Problemen im Spiel auseinandersetzt.<\/p>\n<p>Als Kleinkinder unterscheiden sie sich zun\u00e4chst durch die Veranlagung. Hinzu kommen Einfl\u00fcsse aus der Umwelt. In welchem Umfeld w\u00e4chst ein Kind auf? Welche Vorbilder nimmt es in sich auf? Ist es nur mit Erwachsenen zusammen? Hat es Geschwister? Darf es mit anderen Kindern spielen, die nicht zur Familie geh\u00f6ren? Wird es immer beaufsichtigt oder darf es frei drau\u00dfen spielen? Nimmt sich Mutter oder Vater Zeit f\u00fcr das Kind, oder wird es unteren mehreren Bezugspersonen hin- und hergeschoben? Verbringt es viel Zeit vor dem Fernseher? Fragen dieser Art spielen eine gro\u00dfe Rolle in der Pers\u00f6nlichkeitsbildung und damit im sozialen Verhalten.<\/p>\n<p>Von dem Augenblick an, da ein Kind sich in einer Gruppe mit anderen Kindern, au\u00dferhalb seiner Familie, bewegt, verlangt man von ihm ein soziales, angepasstes Verhalten. Es soll teilen k\u00f6nnen, warten, bis es an der Reihe ist, andere Kinder anerkennen, vor Gr\u00f6\u00dferen und St\u00e4rkeren keine Angst haben. Es soll seine Meinung zur\u00fcckhalten, sich anpassen. Kurz, es ist oft \u00fcberfordert in seinen M\u00f6glichkeiten und reagiert mit Aggressivit\u00e4t, mit Trotz oder es kapselt sich ab.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang mag der Hinweis wichtig sein, dass das Auftreten von Trotz um das dritte Lebensjahr, das sogenannte Trotzalter, von einigen Psychologen nicht als eine naturgegebene Erscheinung angesehen wird, sondern als kindliche Reaktion auf Behinderungen und Verbote der Erwachsenen.<\/p>\n<h4>Literaturangaben\/ weiterf\u00fchrende Literatur<\/h4>\n<p>&#8222;Denken, Lernen, Vergessen&#8220;, Frederic Vester, dtv.<\/p>\n<p>&#8222;Schafft die St\u00fchle ab&#8220;, Renate Zimmer, Herder\/Spektrum<\/p>\n<p>&#8222;Vom Bewegungsleben der Kinder&#8220;, Die Grundschulzeitschrift 36\/1990<\/p>\n<p>&#8222;Kinderzirkus&#8220;, gesam. Aufs\u00e4tze von Prof.Dr.E.J.Kiphard, Concadora-Seminare, Stuttgart<\/p>\n<p>&#8222;Entfaltung der Sinne&#8220;, H.K\u00fckelhaus, R.z.Lippe, fischer alternativ<\/p>\n<p>&#8222;Warum Huckleberry Finn nicht s\u00fcchtig wurde&#8220;, E.Sch\u00e4fer, Beltz Quadriga<\/p>\n<p>&#8222;Zeit f\u00fcr Kinder&#8220;, Ekkehard von Braunm\u00fchl, Fischer Ratgeber<\/p>\n<p>&#8222;Ein Leben f\u00fcr Kinder&#8220;, Bruno Bettelheim, dtv<\/p>\n<p>&#8222;Die Bedeutung der Erziehung f\u00fcr das Umweltbewu\u00dftsein&#8220;, IPN-Arbeitsbericht 101, Kiel 1986, Lehmann J. und Langeheine R.<\/p>\n<p>&#8222;Mit Kindern Stille in der Natur erleben&#8220;, Praxis-Heft Unruhige Kinder, Domino-Verlag M\u00fcnchen<\/p>\n<p>&#8222;Das Schwinden der Sinne&#8220;, 30 Minuten Video f\u00fcr Eltern und Lehrer, Landesbildstelle W\u00fcrttemberg<\/p>\n<p>&#8222;Weniger Unf\u00e4lle durch Bewegung&#8220;, Torsten Kunz, Schorndorf, Hofmann<\/p>\n<p>&#8222;Spiele zur Sicherheitserziehung und Bewegungsfr\u00fchf\u00f6rderung, Spielekartei und Spiele zur Bewegungsf\u00f6rderung im Grundschulalter, Spielekartei&#8220;, Wehrheim, Verlag gruppenp\u00e4dagogischer Literatur<\/p>\n<p>&#8222;Auf Stra\u00dfen und Pl\u00e4tzen spielen&#8220;, H.Steuer, Hugendubel<\/p>\n<p>\u201eDer Waldkindergarten&#8220; von Ingrid Miklitz, erschienen bei Luchterhand, ISBN 3-472-03943-4<\/p>\n<p>\u201eKinder unterm Bl\u00e4tterdach&#8220; von R. Michael-Hagedorn und K. Freiesleben, erschienen bei borgmann publishing GmbH, ISBN 3-86145-184-0<\/p>\n<p>\u201eWaldkinderg\u00e4rten&#8220; von S. K\u00f6llner und C. Leinert, erschienen bei RIWA-Verlag, ISBN 3-932374-05-3<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt kein Wesen auf der Welt, das wie der Mensch so begierig darauf ist, mit der Welt umzugehen, auf sie einzuwirken, sie wahrzunehmen, sie zu f\u00fchlen, sie sch\u00f6pferisch umzugestalten und zu begreifen. Von der Geburt bis zur reifen Pers\u00f6nlichkeit ist es ein langer Weg, der durch die Art der Erlebnisse entscheidend gepr\u00e4gt wird. 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