Schon seit einer Woche hört man ein Flüstern und ein Kichern im Wald, denn unsere Waldkinder bewahren ein Geheimnis: Sie sind bei den Vorbereitungen für den Muttertag und natürlich sollen unsere Waldmamis noch nichts von den Vorbereitungen erfahren. Das ist besonders für unsere Mäuschen ein schwieriges Unterfangen, sich da bei aller Vorfreude nicht aus Versehen zu verplappern. Dieses Jahr sollte der Muttertag auch endlich einmal wieder in Präsenz stattfinden können und so erdachte sich unser Waldteam eine ganz besondere Überraschung: Die Kinder bereiteten für ihre Mütter ein Blütenmenü vor.

Zunächst musste das Vorwissen erarbeitet werden, denn selbstverständlich sind nicht alle Blüten aus der Natur essbar und bei einigen Pflanzen kann eine Verwechslung sogar mit einem Krankenhausaufenthalt enden. Unsere Waldkinder betrachteten zunächst die Pflanzen Bärlauch, Gänseblümchen und Löwenzahn genau, rochen, tasteten, und beschrieben schließlich die unterschiedlichen Teile. Die Füchse erhielten die Aufgabe, eine Pflanze genau zu beschreiben, ohne deren Namen zu verraten. Hier wurden verschiedene Wörter gesucht, um die Blätter genau zu beschreiben: gezackt, gezahnt, glatt, samtig, uvm. Die anderen Kinder durften dann erraten, welche Pflanze gesucht war. Am nächsten Tag ging es dann als Experte los zur Ernte, um die Blüten für die Brotaufstriche zu pflücken. Danach wurden die Blütenblätter in akribischer Feinarbeit von den Stängeln gezupft, denn die grünen Kelchblätter sind häufig bitter. Ein Sirup wurde angesetzt und Aufstriche gerührt, der Kuchen dekoriert.

Und dann endlich war es so weit: Die Mamas trafen am Stückle ein und wurden von aufgeregten Kindern in Empfang genommen. Ein herrliches Bild, denn eine wunderschöne Tafel stand bereit und die Kinder, mit einem kleinen Geschirrtuch ausstaffiert, geleiteten ihre Mamas zum Platz. Dort kündigte eine liebevoll gestaltete Baumscheibe das folgende Menü.

Nun wurde ein Fliederblütensirup serviert und die Kinder sangen ein Muttertagsständchen. Hier war es gut, dass erfahrene Waldmamis Taschentücher bereithielten.

Von unseren fleißigen Kellner*innen wurden sodann Blütenbrote serviert: Leckeres Bauernbrot mit Löwenzahnaufstrich, Bärlauchblütenbutter und Gänseblümchen Frischkäse. Zum Nachtisch wurde ein Kuchen aus Fliederblütensirup auf einem Teller aus Frauenmantelblatt gereicht.

Als krönender Abschluss brachte sangen die Kinder ein Abschlusslied vom dicken Kuss und überbrachten diesen ihrer Mama mitsamt einem selbst gepflückten Wiesenstrauß.
Liebes Waldteam, es war wie immer wunderschön. Wir Mamas danken euch von ganzem Herzen für dieses Erlebnis, das sicher ganz lange in unseren Herzen weilen wird.

Wussten Sie schon?
Flieder ist aufgrund seiner auffälligen Blütenrispen und seines besonderen Duftes eine beliebte Pflanze in unseren Gärten. Da er jedoch einige Bitterstoffe enthält, wird er eher selten in der Küche eingesetzt. Jedoch sind gerade diese Bitterstoffe sehr gesund. Sie wirken fiebersenkend und verdauungsanregend.
Um Fliedersirup herzustellen, braucht man etwas Geduld. Für 1L Wasser benötigt man ca. 10-15 frische Rispen, je nach Farbe der Blüten variiert die Farbe des Sirups. Außerdem 600g Zucker und 1 Biozitrone.
Das Wasser wird mit dem Zucker aufgekocht, bis dieser sich gelöst hat. Kurz abkühlen lassen. Nun gibt man die in Scheiben geschnittene Zitrone und die Blüten der Rispen dazu, diese schüttelt man nur ab, ohne sie zu waschen, sonst gehen Aromen verloren. Ca. 2 Tage an einem kühlen, dunklen Ort ziehen lassen. Nun durch ein Tuch oder ein feines Sieb passieren und erneut 5 Minuten aufkochen. Noch heiß in sterile Gefäße füllen und verschließen. Durch das heiße Verschließen entsteht ein Vakuum und so ist der Sirup bei sauberer Arbeitsweise einige Monate ungekühlt haltbar.